Der Herr Innenminister a.D. ist also Spitzenkandidat der ÖVP für die Europawahl am 7. Juni. Na da haben sie sich aber einen profilierten EU-Politiker als Spitzenkandidaten geangelt. Ottmar Karas – bis vor kurzem noch „der logische Spitzenkandidat“ – ist jetzt nur mehr zweiter. Er verliert sogar seinen Job als Delegationsleiter. Das spricht nicht unbedingt für die selbsternannte „Europapartei“. Strasser ist in Brüssel ein Nobody – ganz im Gegensatz zu Karas.
Aber kommen wir zum Strasser-Highlight dieser Woche: Dem Interview von Armin Wolf mit Dr. Ernst Strasser in der ZiB2 vom Donnerstag. „Es wird ja wohl erlaubt sein, das mir jemand ein Mail schreibt … auch Sie dürfen mir ein Mail schreiben.“ Das fällt Strasser auf die Frage ein, warum Posten bei der Gendamerie unter seiner Führung im großen Stil umgefärbt wurden. Er habe halt ein Ohr für die Anliegen der Menschen. Das glaube ich gerne – offensichtlich vor allem für die Anliegen seines Kabinett-Chefs, der ihm brave Parteisoldaten installierte. Die mittlerweile fast berühmten „Kloibi-Mails“ können übrigens im Blog von Peter Pilz teilweise nachgelesen werden.
Ich erinnere mich übrigens noch gut an Strassers Rücktritt vor fünf Jahren. Für ihn war – zumindest damals – seine politische Karriere beendet. Vielleicht wird diese Ankündigung nach der EU-Wahl ja Wirklichkeit.
Schreiben Sie mir ein Mail!
Strache und der böse Wolf
Was habe ich wieder gelacht. Gestern war HC Strache bei Armin Wolf zu Gast in der ZiB 2. Laut neuestem Buch über den FPÖ Chef war er wohl doch mit dem verurteilten Neo-Nazi Gottfried Küssl bekannt und bei zumindest einer seiner Wehrsportübungen dabei. Strache, damals 19 Jahre alt, verteidigte sich bei Wolf mit „kindlichem Verhalten“. Recht infantil erscheint auch seine Haltung gegenüber der EU, die seiner Meinung nach diktatorische Ausmaße annimmt. Das Interview selbst folgt immer dem selben Muster: Wolf fragt, Strache gibt eine Antwort die nichts mit der Frage zu tun hat, Wolf fragt nach, Strache greift Wolf an und behauptet Wolf habe die Unwahrheit gesagt usw. usw.
Dennoch: Diese Interviews – die mehr einem Duell gleichen – werden niemals langweilig. Strache weiß sich der gut recherchierten Fragen nicht zu erwehren. Mit eigenen Aussagen konfrontiert bleibt ihm stets der Ausweg sich auf seine Jugendfehler zu berufen. Gut, die hat einjeder. Aber im Alter an diesen festzuhalten ist kein Beweis von hellem Geist, sondern von Hilflosigkeit im Argumentationsnotstand.
Tschuschn raus
Auslöser dieses Beitrages ist eine Strassenbahnfahrt. In dieser regt sich ein offensichtlicher „Ur-Wiener“ über die kopftuchfragenden Frauen mit ihren Kindern auf. „Abgschobn ghört des Gsindl“ ist noch eine der höflichen Dinge, die der dickbäuche Mann vor sich hinbrabbelt. Und natülich auch die ganze übliche Litanei: viel zu viele Ausländer befänden sich in Österreich, faul seien sie, arbeiten nicht und so weiter und so weiter.
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KZ Aufseher nach Österreich abgeschoben
Der Titel sagt an sich schon genug. Der heute 83 jährige KZ Aufseher – er ist Namensvetter eines bekannten österreichischen Maler der Gegenwart – war während des zweiten Weltkrieges an Massenerschießungen beteiligt. Nun hat ihn die USA nach Österreich abgeschoben. In Österreich hat er nichts zu fürchten. Schließlich reden wir uns ja fein aus der Verantwortung und erklären die Verbrechen einfach für verjährt. Persönlich empfinde ich die Nicht-Aufarbeitung unserer eigenen unrühmlichen Geschichte ja als Affront. Es ist zu traurig, das wir diese Aufgabe anderen überlassen müssen. Und so warten wir auf den Haftbefehl bzw. das Auslieferungsgesuch aus Deutschland.
kik Stundenlöhne sittenwidrig
Laut ver.di verdienen Angestellte von Kik tw. bloß 4,25 Euro Stundenlohn. Das Bezirksgericht Hamm, hat die Stundenlöhne von 5,20 Euro als sittenwidrig eingestuft, da sie den Mindesttarif um 2/3 unterlief. Damit wurde ein Präzendenzfall gegen die hemmungslos ausbeutenden Discounter geschaffen. In Österreich standen neben Kik u.a. Schlecker und Lidl am Pranger. Dass solche arbeitnehmerfeindlichen Entlohnungen nicht sein müssen zeigen Vorzeige-Discounter wie z.B. Hofer, der den Kollektivvertrag sogar überzahlt.
Glücklicherweise fangen die Konsumenten an umzudenken. Ich kaufe jedenfalls nicht mehr bei Discountern ein von denen ich weiß, dass sie z.B. Kinderarbeit fördern oder keine fairen Löhne zahlen. Es liegt schließlich an jedem einzelnen ein Zeichen zu setzen.
Kondome bringen Leben in Gefahr
Das glaubt zumindest der Papst. Er erläuterte im Rahmen seiner Afrikareise wieder einmal seine ultratraditionellen Werte und meinte, die Aidsepidemie in Afrika werde durch die Verteilung von Kondomen weiter vertieft. Sogar in der röm.-kath. Kirche stößt solche diese Ignoranz der Tatsachen auf Ablehnung. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der Hamburger Bischof Hans-Jochen Jaschke sprach sich in der Zeit explizit für den Gebrauch von Kondomen aus. Während zum Beispiel Österreich oder Frankreich sich in politischer Entrüstung üben, hat Spanien prompt gehandelt und kündigte an, eine Million Kondome nach Afrika zu schicken.
Das rote-Salon-Konjunkturpaket
Die Kreativabteilung des roten Salon hat möchte einen Beitrag zu den allerorts vorgestellen Konjunkturprogrammen leisten.
Daher schlagen wir folgende Maßnahmen vor, um die Wirtschaft anzukurbeln:
- Schließen Sie eine Sterbeversicherung ab.
- Heizen und lüften Sie gleichzeitig.
- Leihen Sie Ihren Kollegen Geld.
- Treten Sie einem Polo- und einem Golf-Club bei.
- Fahren Sie ausschließlich nur mehr mit angezogener Handbremse.
- Investieren sie in einen großen Autozuliferer. Am besten auf Kredit.
- Ziehen sie den Frühjarsputz antizyklisch vor.
- Befolgen Sie unreflektiert sämtliche Anlagetipps vom Banker Ihres Vertrauens.
„Damals haben wir auch schon ganz gut gelebt“
Bei einer Veranstaltung des Europäischen Finanzforums Ende Jänner in Hamburg fand sich ein Exportunternehmer, der zweifelsohne ein Optimist ist. Angeblich trifft die Wirtschaftkrise Exporteure besonders hart. Und er gibt auch zu: Das vierte Quartal 2008 war schlechter als das dritte. Allerdings immer noch besser als das vierte Quartal ein Jahr davor. Und wenn der Umsatz im Jahresdurchschnitt tatsächlich um 15 Prozent zurückginge, dann wäre er auf dem Stand von 2006. Nach kurzem Zögern räumt er ein: „Aber damals haben wir auch schon ganz gut gelebt“.
Diese Aussage erstaunte mich. Ein Unternehmer der unaufgeregt nicht pausenlos nach immer höheren Gewinnen giert? Ich bin perplex und denke an große deutsche Unternehmen die ich kenne: zum Beispiel die deutsche Bank. War diese im Juli 2007 an der Börse noch 56,5 Milliarden Euro schwer, sind es im Jänner 2009 bloß noch 9,7 Milliarden. Ich bin beruhigt. Die Krise ist doch keine Fata Morgana.
Sony-Manager als Geisel genommen
Streik gehört ja schon an sich nicht unbedingt zur österreichischen Mentalität. Eine gänzlich andere Qualität hat da schon der Arbeitskampf der Arbeiter eines Sony-Werkes nahe Bordeaux. Das Werk soll Mitte April geschlossen werden, die Arbeiter verlangen bessere Abfertigungen. Als Ihnen diese verweigert wurden, nahmen Sie kurzerhand „ihren“ Manager gestern Abend als Geisel. Derzeit verhandeln die Arbeiter mit der Polizei. Bereits am Vortag hatte der deutsche Reifenkonzern Conti die Wut der französischen Arbeiter zu spüren bekommen. Da Conti die Schließung eines Werkes plant (rund 1.100 Jobs gehen dadurch verloren), wurden die Manager beschimpft und mit Eiern beworfen. Wir sind gespannt auf die angekündigten Lösungsvorschläge der deutschen Bundeskanzlerin.
Der Einfluss den ich meine
Dem ÖGB laufen seit Jahren die Mitglieder davon. Und auch sein Einfluss ist spätestens seit der schwarz/blau/orangen Regierung geschrumpft. Erinnern wir uns lediglich an die Offenbahrung im Rahmen des BAWAG-Verkaufs, wie klein der sagenumwobene Streikfonds wirklich war/ist. Damt ließe sich kein längerer Generalstreik finanzieren.
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