Die Grünen: Das Volk zu dumm oder die Partei zu abgehoben?

Ich halte Eva Glawischnig für eine gute Wahl und den Abgang von VdB für die richtige Entscheidung (nicht umsonst hätten wir es ihm nicht schon vorab vorgeschlagen) aber sie steht vor großen Problemen:

Sie hat keine Wähler oder genauer gesagt zu wenige: 10,43 %
Jetzt ist die Frage – warum? Sind die Grünen zu abgehoben, das Volk zu dumm oder gibt es schlichtweg nicht mehr Wählerpotenzial.

Von denkerschmiede

Die Grünen wurden in letzter Zeit immer verwaschener. Längst haben Sie ihre Position als Umweltinitiative verlassen und wurden zu einer kleinen Partei, die gerne ein Volkspartei sein möchte und somit zu allem etwas Gutes sagt. Und das ist auch schon die einzige Positionierung die überbleibt: Gutmenschen, die sich für eine „Wir haben uns alle lieb“-Gesellschaft einsetzen und ein bissi Grün sind.

Klar, das ist pointiert, verkürzt und für 10,43 % der Bevölkerung nicht wahr. Aber spiegelt schon das erste Bild in der breiten Bevölkerung gut wieder. Geben wir ihnen doch von mir aus 11,05 % – wie bei der letzten Wahl, wo ihnen das LIF nichts wegnahm.

Diese 11 Prozent schöpfen aber das Wählerpotenzial der Grünen in Österreich vollständig aus. Das ist die tragische Wahrheit mit der Glawischnig umgehen muss.

Glawischnig möchte wieder eine Protestpartei werden. Ja sogar die ganzen Jungwähler die aus Protest rechts wählten nun zu sich holen. Aber das kann doch nicht die Lösung sein. Protestwähler sind wankelmütig, das Ziel der Grünen muss eine stabile Basis sein.

Wie nun ausbauen? Die Lösung führt nur über eine Regierungsbeteiligung. Egal ob mit Rot oder Schwarz, gepaart mit einer klaren Positionierung. Die Grünen müssen beiweisen, dass sie in der Lage sind zu regieren und beweisen, dass ihr Modell funktionert. Es muss eine Partei sein deren Weltanschauung auch Fehler verzeiht – denn die Latte die sich die Grünen in ihrem Glauben an das Gute auferlegen, liegt für die Meisten zu hoch.

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Published in: on 16. Oktober, 2008 at 18:32  Comments (6)  
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6 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Muss es die oberste Prämisse einer Partei sein, zu wachsen, wachsen, wachsen und unbedingt alle Wähler an sich zu reißen?

    Ist es nicht sinnvoller, eine Interessensvertretung für diejenigen sagen wir mal 11% zu sein, die genau diejenigen oder zumindest Ähnliche Wünsche an die Politik haben wie es im Programm der Grünen steht?

    Mir ist es zumindest lieber, die Grünen halten ihre Stammwählerschaft stabil an sich – mit leichtem Wachstum (Das heurige Wahlergebnis ist immer noch das zweitbeste aller Zeiten, und im EU-Vergleich sind die österreichischen Grünen dick da)!

    Ich glaube, es wäre falsch, sich allen Bevölkerungsschichten anzubiedern – nur um Stimmen zu fangen. Und ich hoffe nicht, dass Glawischnig in der „Nachtschicht“ oder in Velden auf 99-Cent-Parties mit Getränken, Bussi-Bussi und Autogrammkarten hausieren geht.

  2. das traurige ist, dass 10 % (ein ergebnis, über dass überall sonst in europa grüne in freudentänze ausbrechen würden) in österreich nicht reicht. auch 12 nicht, auch 15 nicht. selbst mit 15 % wären die grünen kein faktor bei der regierungsbildung. wenn die großparteien so schwächeln, bräuchten die grünen schon 20 % um in die regierung zu kommen. so bleibt eine einzige alternative: harte aber konstruktive opposition zu machen. diesen part darf man nicht den rechten recken überlassen.

  3. @karl
    natürlich liegt es im interesse einer partei sich zu steigern! grüne wähler oder unterstützer die genau das fordern – stabil auf niedrigem niveau bleiben, sind der grund, dass die grünen nie etwas verändern werden. ja klar, man kann sich entscheiden zu jedem einzelnen prinzip zu stehen, kompromisslos durchs leben zu gehen – aber dann muss aktzeptiert werden, dass grün nie eine gestaltende bedeutung haben wird

    @laurenz ennser
    sorry to say that aber aus ihrer aussage muss ich schließen, dass sie
    a) sehr viel ahnung von politik haben und glauben mit gutklingenden schlagwörtern wie „konstruktive opposition“ jemanden beeindrucken zu können; falsches blog
    oder
    b) dass sie keine ahnung von politik haben und so naiv sind zu glauben, dass irgendeine konstruktive opposition in österreich möglich ist.

    es ist hart, aber die grünen machen im moment das beste aus ihrer situation und deswegen halten sie auch ihr niveau. das ist aber nur 11 %.
    die rechten sind keine besseren oppositionspolitker, es sind einfach populisten und das dringt bei frustrierten menschen einfach leichter durch.

    aber danke für beide kommentare, morgen folgt ein weiterer eintrag zu den grünen. denn ganz ehrlich, das beste was den grünen passieren könnte: eine rechte regierung. more tomorrow!

  4. […] Grünen brauchen eine rechte Regierung Also nachdem wir gestern das Dilemma der Grünen feststellten, ist es heute an der Zeit die Lösung zu […]

  5. @denkerschmiede: weder a) noch b) treffen wirklich zu. konstruktive opposition bedeutet etwa, dass man bei verfassungsbestimmungen (für die rot-schwarz die notwendige 2/3-mehrheit nicht mehr hat und daher eine der anderen parteien braucht) sein gewicht in die waagschale wirft. was soll daran unmöglich sein?

  6. Nun jein 🙂
    Grundsätzlich Ja – denn im Falle dass eine Verfassungsmehrheit gebraucht wird, sind die Grünen benötigt (aber wann wir das bei den aktuellen Themen gebraucht?)
    Gesundheit – Nein, Bildung – Nein (Bildungsthemen wurden doch aus der B-VG rausgenommen, oder irre ich mich da?) Steuerreform – Nein

    Aber was brächte es den Grünen das Zünglein an der Wage zu sein? Neue Wähler – Nein.
    Es würde nur die bestehenden Wähler fester an die Grünen schweißen, da die Grünen konstruktiv mitwirkten, etc…

    Neue Wähler damit generieren; ja sogar die Basis stabil erhöhen?
    Nein, das würde mich wundern.

    Ja es ist ein Dilemma.


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