An die Wand gefahren. Der Versuch einer Kurzanalyse

Post, Bahn, ORF, TA, AUA – fast alle Unternehmen die sich zumindest teilweise im Staatsbesitz befinden (oder im Mehrheitsbeszitz der ÖIAG) wurden an die Wand gefahren. Aber keine Angst, der rote Salon gibt sich nicht der plumpen „Der-Staat-ist-ein-schlechter-Unternehmer-Rhethorik“ hin. Der Versuch einer Analyse. diegranma

Die Post hat einen Versorgungsauftrag und muss diesen mit tausenden beamteten Angestellten erfüllen. Das geht sich auf Dauer natürlich nicht aus – schon gar nicht wenn Hermes und Co den Markt eng machen.
Der Telekom bricht seit Jahren der Festnetz-Bereich weg. Für die Manager offensichtlich überraschend. Auch die TA muss sich nun aufgrund von Managementfehlern von Angestellten trennen.
Ein ähnliches Bild bei der AUA: Diese soll an die Lufthansa verschenkt werden. Politisch motivierte Entscheidung munkelt die einen, von vornhinein abgekartetes Spiel moniert zum Beispiel die Air France-KLM.  Dass am Flughafen und der AUA auch indirekt durch die Zulieferbetriebe 50.000 Jobs hängen scheint vorerst egal zu sein – auch wenn der Flughafen Wien bei einem AUA-Geschenk an die Lufthansa in der Bedeutungslosigkeit verschwinden wird und sich der neue Skylink nicht mehr rechnet. Aber vorausschauend zu agieren scheint in diesem Land keine politische Kategorie zu sein.
Auch der ORF wurschtelt seit Jahren herum: Konnte er bisher bei der Bilanz tricksen, ist das in diesem Jahr nicht wirklich (mehr) möglich – die Schlagzeilen der letzten Tage belegen dies bereits. Zur Ehrenrettung der ÖIAG sei erwähnt, dass sich der ORF quasi selbst gehört (Stiftung), in diesem Fall kann Michaelis also wirklich nichts für die Misere.
Nicht zuletzt die ÖBB ist ein gutes Beispiel dafür, wie unter schwarz-blauem Management der öffentliche (Nah-)Verkehr zu einem Immobilienvewertungsbetrieb umfunktioniert wurde und Burschenschafter und andere Günstlinge aus dem rechtem Dunstkreis versorgt wurden. Spätestens seit der schwarz-blau/orangen Koalition wissen wir, dass Proporz a la rot-schwarz vorbei ist. Bloß: Auch die rechten „Saubermänner“ haben genau so verantwortungslos agiert!
Kurz: Managmentfehler müssen im Endeffekt Arbeitnehmer und Steuerzahler ausbaden. Der vielzitierte „Kleine Mann“ wird also doppelt und dreifach bestraft (zuerst refinanziert er Verluste durch Steuergelder, dann verliert er seinen Job um drittens weniger Unterstützungsleistungen vom Staat lukrieren zu können). In Deutschland ist es übrigens offiziell: Wie das deutsche Statistische Bundesamt heute verlautbarte, ist das BIP im dritten Quartal dieses Jahres um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft.

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Published in: on 13. November, 2008 at 11:01  Comments (1)  
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One CommentHinterlasse einen Kommentar

  1. Die Post hat sich weder den beamteten Apparat noch die Briefmarktliberalisierung ausgesucht. Die angedrohten Entlassungen sind wohl eher das einzige Druckmittel, um die Regierung dazu zu bewegen, eine Lösung zu finden. Dort badet der Arbeitnehmener Fehler der Politik aus.

    Wenn der Postmann zweimal klingelt


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