Tschuschn raus

Auslöser dieses Beitrages ist eine Strassenbahnfahrt. In dieser regt sich ein offensichtlicher „Ur-Wiener“ über die kopftuchfragenden Frauen mit ihren Kindern auf. „Abgschobn ghört des Gsindl“ ist noch eine der höflichen Dinge, die der dickbäuche Mann vor sich hinbrabbelt. Und natülich auch die ganze übliche Litanei: viel zu viele Ausländer befänden sich in Österreich, faul seien sie, arbeiten nicht und so weiter und so weiter.
Grund genug um bei der Statistik Austria einen Blick in die Zahlen zu riskieren. Wurden 2008 10.268 Personen eingebürgter (im übrigen ein Viertel weniger als 2007), zogen 74.191 Menschen aus Österreich weg. Man beachte das Verhältnis 1:7 (!). Davon waren nur ca. ein Viertel Österreichische Staatsbürger. Doch schauen wir uns die Zahlen konkret an: Während 1.664 Türken in Österreich eingebürgert wurden, sind 3.375 zurück in ihr Heimatland gegangen. Während 382 Rumänen eingebürgert wurden, sind 3.627 zurück nach Rumänien gegangen. Während 129 Polen in Österreich eingebürgert wurden, sind 3.403 Polen aus Österreich ausgewandert. Die Liste ließe sich noch fortsetzen, aber eines scheint klar heraus zu kommen: Die Angstmacherei von BZÖ und FPÖ ist einmal mehr als ideologische Chimäre enttarnt. Österreich ist nicht das Einwanderungsland als das es uns gerne verkauft wird. Im Gegenteil: Wir können uns selbst beim aussterben zuschauen. Na wenigstens sitzen wir dabei in der ersten Reihe.

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Du vergleichst aber Äpfel mit Birnen. Das Gegenstück zu Wegzügen sind Zuzüge und nicht Einbürgerungen. Geburten und Sterbefälle müsste man auch berücksichtigen. Das Wanderungssaldo für ausländische Staatsbürger von Jänner bis inklusive November betrug für das Jahr 2008 laut Statistik Austria 38.223.

    Überhaupt lagen die Wanderungsbilanzen für den Zeitraum der FPÖ-ÖVP-Regierungen um ein vielfaches höher, als für den Zeitraum von 1994-1999 unter Vranitzky und Klima.

    Seit 1994: (1995 endeten die Jugoslawienkriege)
    Tiefpunkt 1997: 1.537
    Höhepunkt 2004: 50.582

  2. Du hast recht – ich war mit meiner Formulierung nicht ganz korrekt. Dennoch stimmt doch wohl der Tenor: Es wandern mehr Menschen aus als ein, das ist doch das was du auch meinst, oder?

  3. Ähm nein. Der Saldo ist seit 1984 positiv. 2004 sind unterm Strich 50.582 mehr Personen eingewandert als ausgewandert.

    Seit dem Jahr 2000 sind unterm Strich 350.000 ausländische Staatsbürger nach Österreich gezogen.

    Dein Tenor ist also grundverkehrt.

    http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/wanderungen/index.html
    http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/wanderungen/wanderungen_insgesamt/022725.html

  4. Danke für die Links – Mein Fehler.


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