Krugmänner, Klugmänner und Blödmänner

„Mir san mir und wir lassen uns ned vernadern!“ – weder von den EU-Weisen noch von Nobelpreisträgern wie einer Jelinek oder diesem Paul Krugman. Letzterer hat gezeigt, dass man nicht nur auf der Hut sein muss, wen man mit der Wahrheit unter dem Rock durch Österreich fährt.

Ein Gastbeitrag

Am Montag wies Krugman in einem Briefing des Foreign Press Center auf die Gefahr der hohen österreichischen Auslandsverschuldung in Osteuropa hin. Soweit so gut. Bis ein Redakteur der Süddeutschen Zeitung (SZ) auf die witzige Idee kam, zu schreiben, Österreich wäre nach Island und Irland der nächste Kandidat für eine Staatspleite. Dann ging das Krugman-Bashing los! Die heimischen Medien übernahmen in gewohnt seriöser Pressearbeit die SZ-Meldung, Finanzminister Pröll machte sich vom Acker, um der Nation die österreichische Erfolgsgeschichte in Osteuropa zu erzählen. Wahrscheinlich sei Krugman neidisch auf das tolle österreichische Engagement in Osteuropa. Na sicher, als ob der nicht genug andere Probleme hätte.

Damit nicht genug wurde auch Österreichs Auftragsökonom Nr. 1, Bernhard Felderer, in den Zeugenstand gerufen. „Nahezu null“ sei die Gefahr eines Staatsbankrottes. „Krugman macht einen Fehler.“

Wenn das österreichische Volk einmal in Bewegung ist, dann ist es kaum zu stoppen. Wen interessiert da schon, was Krugman wirklich sagte? Dass er in seinem Blog darauf hinwies, dass Österreich nicht derart fremdverschuldet sei wie Irland und Island?

Man merkt halt, dass auch die Zeitungsredaktionen die Wirtschaftskrise zu spüren bekommen und keine Ferialpraktikanten mehr anstellen können, welche die Authentizität ihrer Storys prüft. Ein solcher hätte einfach auf http://fpc.state.gov nachgesehen und dort Krugmans Originalzitat gefunden: „We’ve seen one advanced country essentially go bankrupt. Now it’s a tiny one, it’s Iceland, but that just shows that it can happen, even to advanced countries. Ireland looks pretty bad because of large financial exposure. And Austria would probably be my third candidate in those leads. I don’t have a – it’s just – it’s a huge exposure to a very, very troubled region.”
Von “probably pretty bad looking” zum Staatsbankrott mag es noch ein weiter Weg sein – nicht allerdings für den Sensationsjournalismus.

Sandino bloggt normalerweise auf http://wirtschaftskrise.blogspot.com/

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Published in: on 16. April, 2009 at 22:34  Comments (3)  
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3 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Lustig find ich allerdings wie unsere „Experten“ und allen voran Pepi Pröll ausrückten, um die Fehler in Krugmans Analyse aufzudecken und zu sagen wie’s wirklich ist.

  2. Es geht darum, dass österreichische Banken im Osten viele Kredite vergeben haben, nicht um die Auslandsverschuldung Österreichs.

  3. *lol* danke für die aufklärung, ich weiss, warum ich mich von vielen österreichischen medien schon lange fern halte …


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