Medienkonzentration? Aber wo!

Horst Pirkner bestätigte gestern endlich,  was der Standard bereits vorige Woche berichtete: Die Styria will mit der Moser Holding einen gemeinsamen Verlagsriesen gründen. Damit entsteht ein neuer Medienriese – der sogar größer ist als die Mediaprint. Brinsanz gewinnt diese Entwicklung u.a. durch die Tatsache, dass sich die WAZ aus der Mediaprint zurückziehen will.

Doch wer steht denn eigentlich hinter der Styria? Zu 98,5% der katholische Presseverein (natürlich eine Stiftung), der Rest gehört dem Grazer katholischen Medien Verein. Umsatz 2008: 486 Mio. Euro. Die Kirche als Medienunternehmer ist in Österreich übrigens sehr erfolgreich. Bis zum Einstieg von Raiffeisen war die NÖN beispielsweise komplett in „Kirchenhand“. Dem gegenüber macht sich der „Zwerg“ Moserholding (sie gehört im wesentlichen den Erben des Gründers)  mit 221 Mio. Euro Umsatz 2008 beinahe bescheiden aus. Doch wie kann so ein Mega-Deal vor dem Kartellgericht halten? Ich erwarte eine Neuauflage des Mediaprint-Coups. Verzögerungen bei Zusammenschlüssen dieser Größenordnung sind im österreichischen Kartellrecht gelinde gesagt eher „unüblich“. Siehe wieder einmal Stichwort Mediaprint. Zurecht mehren sich die kritischen Stimmen, dass die weiteren Zusammenschlüsse ein weniger an Informationsvielfalt mit sich bringt. Ganz abgesehen von den immer schwieriger werdenden Arbeitsbedingungen im Journalismus.
Bereits jetzt kommt man regional kaum mehr an der Styria-Moser-Connection vorbei. Mit deren fast flächendeckenden Gratiszeitungsring (alle Bundesländer ausser Vorarlberg) haben sie eine defacto Alleinstellung erreicht. Mit den Bezirksblättern (T, Sbg, NÖ, Bgld und Teilen von OÖ), der OÖ Rundschau, der BZ in Wien, der Kärtner- und der Steirer Woche haben sie den (Gratis-) Wochenzeitungsmarkt zugemacht. Aber das ist eine andere Geschichte.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass in Europa kein Land eine so hohe Medienkonzentration aufweist wie Österreich – und der Markt wird weiter konsolidiert, wie die Wirtschafter so schön sagen.
P.S. Sehr gut dargelegt wurde die bisherige Entwicklung übrigens von Standard Etat Leiter Harald Fidler. Sehr empfehlenswert auch eines seiner Bücher: Im Vorhof der Schlacht.

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  1. Super Beitrag – sehr schön…


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