Der Ausstieg vom Ausstieg

Eigentlich haben sich die Italiener in einem Referendum 1987 für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Berlusconi fuhr über das bindene Votum der Bevölkerung auf bewährte Art und Weise drüber und schloß mit Frankreich einen Vertrag zum Bau mehrerer Atomkraftwerke. Noch lange bevor das Parlament darüber abstimmen konnte. Und da ein Berlusconi nun einmal keine halben Sachen macht, wird nach den Standorten auch gleich ein Beschluss zur Entsorgung des radioaktiven Abfalls gefasst. Schützenhilfe hatte sich Berlusconi dafür vom heiligen Stuhl geholt. Der Präsident des Päpstlichen Rates sprach sich bereits im Wahlkampf im April für der Wiedereinstieg in die Atomenergie aus.Aber kurz zur Historie: Ein Jahr nach dem Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl 1986 hatten die Italiener per Volksabstimmung das Ende der Kernkraft durchgesetzt. Damit mussten die vier damaligen Atomkraftwerke in Caorse, Garigliano, Latina und Trino Vercellese abgeschaltet werden. Enel war dazu gezwungen v.a. auf  Erdgas umzusteigen. Gleichzeitig plante Enel jedoch weitere Atomkraftwerken. In Albanien. Dort konnte Ministerpräsident Sali Berisha im Mai dazu überredet werden in seinem Land Atomkraftwerke für Italien errichten zu lassen.
Pikant ist, das Berlusconi beim bilateralen Gipfel in Rom im Februar mit Nicolas Sarkozy ein energiepolitisches Rahmenabkommen abschloss – lange bevor es eine entsprechende Beschlusslage in Italien dafür gab. Nun werden also EDF und Enel  in Italien  insgesamt vier Reaktoren  (Typ EPR) bauen und in Betrieb zu nehmen. Die erste Anlage soll spätestens 2020 ans Netz gehen.
Interessant für Österreich: Die EDF ist gerade im Gespräch sich von ihrer Minderheitsbeteiligung bei der EStAG zurückzuziehen. Die Steirer werden jedenfalls nicht müde ihre notwendige Finanzpotenz zu betonen. Das Land Steiermark hat die Gewinne der EStAG auch dringend notwendig. Das Budgetloch klafft bereits bedrohlich. Aber das ist eine andere Geschichte.

Published in: on 9. Juli, 2009 at 16:58  Comments (1)  
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  1. Das letzte Gefecht der Atomlobby steht bevor. Sie will das Geld, das jetzt eigentlich die Erneuerbaren bekommen müssten.


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