Polizei und 14jähriges Opfer: Ein Plädoyer für die Sachlichkeit

Es ist wieder mal unglaublich faszinierend wie unbeliebt unsere Polizei ist: Über den aktuellen Fall ist so gut wie gar nichts bekannt aber die Reaktion darauf sind spektakulär. Alle Medien, die Blogs (auch wir) beschäftigen sich damit und alle sind sich einig: Die böse Polizei erschoss einen 14jährigen – wo kommen wir da hin?!
Der Standard vergleicht sofort die Einsätze mit Schusswaffen in Deutschland und Österreich und kommt zu dem – statistisch nicht haltbarem Ergebnis – dass die österreichische Polizei schießwütig ist. Sorry aber hier untscheiden sich echte Qualitätszeitungen vom Standard: Sie wahren immer Objektivität und werden nicht giftig, nur weil es zur Leserschaft passt.

Aber versuchen wir mal sachlich und bei den Fakten zu bleiben. Wir wissen nur eines gesichert: Ein Einbrecher wurde durch einen Polizisten erschossen.

Es ist durch die Obduktion immer noch nicht gesichert ob es in den Rücken war oder nicht. (mittlerweile zumindest mündlich durch den Arzt bestätigt)
Wir wissen nicht was davor vorgefallen ist.
Und damit auch nicht, warum der Polizist schoss.
Natürlich konnte der Polizist nicht erkennen, ob es ein 14jähriger war.
usw.

Lassen wir das schnelle Polizei-Bashing mal weg und warten wir die Fakten ab. Es ist äußerst tragisch, dass ein Mensch umkam und, davon bin ich überzeugt, am meisten leidet der Schütze selbst.

Published in: on 6. August, 2009 at 10:05  Comments (12)  
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12 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Na sehr super. Die Kibera knallen ein Kind nieder und dann werden sie psychologisch betreut weil es ihnen so schlecht geht. Also dafür fehlt mir jedes Verständnis – die waren Täter, nicht Opfer!

  2. das ist genau der punkt.
    Ein Polizist ist nicht Täter, solange er berechtigter Weise schießt (das ist demokratische definiert in form eines gesetzes).

    Aber genau das wissen wir nicht: Wir wissen nicht was vorfiel und solange darf keiner verurteilt werden.

    Und seien wir froh, dass unsere „Kibera“ keine schießwütigen Ramobs sind, denen jeder Schuss am A… vorbeigeht.

  3. das polizistinnenbashing ist auch das, was mich an der berichterstattung gestört hat. selbst am standard hat man das sehen können.

    nur wie die fekter zu sagen, dass das gericht entscheide, ob fehler begangen wurden, ist mir doch zu wenig. von ihr, der chefin der kiberei, ein bisschen zu wenig.

    eine vorverurteilung ist auch hier nicht angesagt – aber die wahren leidtragenden sind die angehörigen, die freunde und bekannten. der polizist auch, aber nicht das „opfer“.

  4. wenn solche fälle auftreten, breitet die polizei über den genauen tathergang ein peinlich betretenes schweigen. einzig roland, 16J. und allenfalls der merkur-mitarbeiter, der vor ort gerufen wurde, könnten authentische aussagen machen. auch die story um den 28j. komplizen ist nix als ein ablenkungsmanöver. es wird schwer sein an die fakten zu kommen: wir werden sie via medien nicht kriegen.

  5. so, wie die öffentlichkeitsarbeit der polizei momentan aussieht, tut sie nichts, um vertrauen zu erlangen. es erweckt eher den eindruck, zwanghaft die polizistInnen in schutz zu nehmen und „raus zu pauken“.

    wenn polizistInnen nicht gut genug trainiert werden können, dann soll man ihnen – bitteschön – keine waffen in die hand geben. es sind schon jetzt zu viele menschen bei polizeieinsätzen ums leben gekommen.

    noch leben wir in einem land, in dem jedem ein ordentliches gerichtsverfahren zusteht. das nennt man zivilisation, rechtsstaat und kultur.

  6. Folgendes,

    Niemand hat erschossen zu werden.
    Ein Merkur Supermarkt um 2:55 in der Nacht, keine Kunden, keine Geiseln, niemand in Gefahr. Wie kommen „erfahrene PolizistInnen“ auf die Idee, hier auch nur irgendwie einschreiten zu müssen? Und wenns den kompletten Merkus leerräumen, wär das egal. Bedenklich was das bedeutet, weil wenn schon die erfahrenen Polizisten derart unprofessionell agieren, dann weiß man ja wies um den Rest bestellt ist.

  7. nochwas,

    Das Mitleid für die Leiden diesen Schützen, sollte sich in Grenzen halten! Falschen Beruf gewählt und ja, schuld an dem Tod eines Kindes!

  8. Eine Frage zum Text: Warum ist der Standard Vergleich nicht haltbar?

  9. Danke für alle Kommentare.

    Ich bin der letzte der ungerechtfertigten Waffengebrauch nicht verurteilt. Aber wir wissen nichts.

    Keiner sagt, dass sie geschossen haben weil der Merkur leergeräumt wurde; eher weil sie angegriffen wurden.
    Überlegt mal umgekehrt was wir immer einfordern (zB bei schwarzafrikanern die wegen verdachts auf Dealerei verhaftet werden) OBJEKTIVITÄT.

    Mir ist nur wichtig: Wir dürfen in kein Polizeibashing verfallen ohne die Fakten zu kennen. Was bringt das?
    Mir tut es ehrlich weh, wenn ich Blogs wie von Peter Pilz oder Misik lese die vorverurteilen und so tun als würden sie eh schon alles wissen. Die Polizisten verurteilen ohne die Fakten zu kennen.

    Warten wir diese ab – wenn es sich herausstellt, dass sie ungerechtfertigt geschossen haben werdet ihr die Verurteilung im Roten Salon zu erst lesen!

  10. @ Österreicher
    Der Standard Text ist falsch weil wir hier von 7 Ereignissen sprechen. 6 mal haben Polizisten letztes Jahr auf einen Menschen geschossen und dieser wurde dabei verletzt oder getötet; einmal schossen sie auf ein Auto.

    In DE waren es 11 mal oder.
    Bei so einer geringen Anzahl kann man es nicht plumb vergleichen in dem man sagt: DE ist 10 mal so groß, als müssten es dort 60 vorfälle sein.

    Hier geht es um Einzelfälle die keinem Schema folgen und statistisch damit nicht abbildbar sind.

  11. interessant. ich finde im standard artikel nur zwei tote in österreich…

  12. Was soll die ganze Zeit das Wort „Kind“? Diese Verwendung des Wortes soll ja erst nur die Bösartigkeit der Polizei unterstreichen und hat mit Objektivität nichts zu tun. Ein 14jähriger ist kein Kind mehr. Und gerade in diesem Fall handelt es sich nicht um ein unschuldiges Kind, das aus Versehen irgendeine Süßigkeit gestohlen hat, sondern um eine Person im deliktsfähigem Alter, die mitten in der Nacht in einen Supermarkt einbricht.

    Und wenn wir das Wort „Kind“ verwenden, dann stelle ich einmal die Frage, wie es mit der Verantwortung der Eltern steht, die ihr „Kind“ mitten in der Nacht tun lassen, was es will.

    Also entweder wir bleiben Objektiv bei einem 14jährigen, amtsbekannten Jugendlichen, oder bei einem Kind für dessen Tod auch die mangelnde Verwantwortung der Eltern schuld ist.


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