Wann beginnt der Arbeitskampf?

Viele Österreicher spüren es am eigenen Leib – und die Medien verstärken dieses Gefühl. Der Standard schreibt über Betriebsversammlungen bei der Styria, weil sich die Journalisten nicht gefallen lassen wollen, dass sie in Zukunft den (schlechteren) Gewerbekollektivvertrag bekommen sollen. Datum stellt an Hand des Beispiels von enttäuschten Kindergärtnerinnen den ÖGB in Frage. Kurier und WirtschaftsBlatt berichten, dass die Bau-Zulieferer im ersten Halbjahr 2009 ca. 300 Millionen weniger Umsatz machten und sich  vorsorglich von 6,2 % aller Beschäftigten trennten.
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Um nur eines gleich vorweg zu nehmen: Von „französichen Verhältnissen“, wie Fabriksbesetzungen, Boss-napping oder Landbesetzungen ist Österreich noch immer weit entfernt. Wobei zumindest eines immer offensichtlicher wird: Ein massiver Vertrauensverlust hat eingesetzt. Kurzarbeitszeitregelungen, Firmen die ihre Mitarbeiter massenweise in Bildungskarenz schicken (dies ist nun bereits nach einem halben Jahr Betriebszugehörigkeit möglich) und Überstunden- bzw. Urlaubsabbau. Wem soll also noch geglaubt werden, dass alles wieder gut wird? Die rasche Rückkehr zum Status „ante Krise“ sehnen Utopisten herbei – wirklich daran zu glauben wagt kaum jemand.
Selbst die Nationalbank – die führende Institution im Vertrauensindex – musste Glaubwürdigkeit einbüßen. Die Folge sind eine Rückbesinnung auf konservativ anmutende Werte: Die Familie rückt wieder in den Mittelpunkt – Gesellschaftsstudien sprechen von „Cocooning„.
Fakt ist, dass es kaum mehr jemanden gibt, der in seinem Bekanntenkreis niemanden hat der von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit betroffen ist.
Die Angestellten des Softwareentwicklungsbereich SIS haben bereits in Wien demonstriert. Die Grafiker (deren Kollektivvertragsverhandlungen ziehen sich nun bereits über sieben Monate) bereiten für September erste gewerkschaftliche Maßnahmen vor. In Salzburg bereiten sich die Lehrer auf Streiks vor, weil sie das Sparprogramm des Landes ablehnen. All das ist nur ein kleines Signal für den wachsenden Unmut der Menschen. Denn die Armut in Österreich nimmt zu, obwohl Menschen (noch) arbeiten. Österreich wurde von einem bisher nur aus Amerika bekanntem Phänomen erreicht: „Working Poor„.  Die Statistik Austria spricht von „manifester Armut“ wenn neben einem geringen Einkommen bedrückende Lebensbedingungen auftreten.
Natürlich kratzt diese Kurzanalyse nur an der Oberfläche. Aber darunter brodelt es bereits. Und es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einem der reichsten Länder der Welt, das Faß überläuft. Weitere Anzeichen dafür werden wir beim Zulauf des rechten Lagers bei den anstehenden Wahlen sehen. Bleibt die unbeantwortete Frage von Kaiser Ferdinand: „Dürfen’s denn des?“

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