Kirche ignoriert weiterhin Frauenrechte

Kardinal Schönborn hat Bürgermeister Häupl einen Brief geschrieben. Und damit wieder ein Mal bewusst eine Grenze überschritten. Grund für Schönborns Brief war eine Einladung zum Empfang im Wiener Rathaus. Gefeiert wird 30 Jahre „pro:woman“ (aka Ambulatorium am Fleischmarkt). Unter Kreisky wurde  1974 die Fristenregelung (sie stellt Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche straffrei) beschlossen. Das war ein Meilenstein im Kampf der Frauen um ihre Selbstbestimmung. Offensichtlich hat die römisch-katholische Kirche jedoch nach wie vor Probleme damit, Frauenrechte anzuerkennen. Und sie zeigt ein Demokratieverständnis der Kirche auf, das zumindest problematisch ist. Denn die Trennung von Kirche und Staat ist gesetzlich festgeschrieben. Und Gesetze machen Politiker, und nicht kirchliche Würdenträger.

Published in: on 28. August, 2009 at 11:21  Comments (11)  
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11 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet nicht, dass Religionen nicht Lobbyarbeit für ihre Vorstellungen von Moral, Gesellschaftspolitik usw. machen dürfen. Es bedeutet nur, dass der Staat Religionsgemeinschaften gegenüber anderen Lobbygruppen wie z.B. Gewerkschaften, Industriellenvereinigung, Greenpeace, usw. nicht grundsätzlich bevorzugen darf.

    Da davon auszugehen ist, dass es auch Lobbygruppen gibt, die sich für die Feier einsetzten, kann ich überhaupt nichts verwerfliches daran finden, wenn andere Vereine, wie z.B. die katholische Kirche sich für ihre Ansichten einsetzten.

  2. Verwerflich an diesem Brief ist, dass Schönborn meint, es gebe „keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an“. Den es spätestens seit 1974 gibt.
    Noch viel radikaler assistierte gleich Bischof Küng, der meint, dass das Bestehen einer Abtreibungsklinik „in der tausende Kinder ums Leben gekommen sind“ kein Grund zu feiern sei.
    Es handelt sich hier um ein Recht der Frauen – nicht um Mord. Selbstverständlich darf die Kirche ihre Meinung vertreten. Aber mit der imemr wieder kehrenden Forderung nach einer Überdenkung der Gesetzeslage ist sie schon wieder den entscheidenden Schritt zu weit gegangen.

  3. @diegranma: Es ist nichts verwerfliches daran, wenn Interessengruppen auf Gesetzesänderungen hinarbeiten. Es ist sogar etwas vollkommen normales und zeugt von einem lebendigen politischen System. Die Gewerkschaft will die 35 Stunden Woche, die Industriellenvereinigung will die Arbeitszeit flexibilisieren, PETA will alle Tierversuche verbieten, ATTAC will ein bedingungsloses Grundeinkommen und die katholische Kirche will die Abtreibung verbieten.

  4. Und es ist vollkommen normal, dass die römisch katholische Kirche unangenehme Lehrer abberuft, die (nebenbei bemerkt) vom Staat bezahlt werden. Es ist normal, dass sich Priester immer wieder an Kindern vergehen. Es ist bei der Kirche offensichtlich auch nichts weiter dabei, über Grundeigentum Druck auf Pächter auszuüben. Und es ist offenbar für viele okay, wenn die Kirche Frauen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben abspricht.
    Interessensvertretung ist das Eine. Der Eingriff in den höchst persönlichen Lebensraum, der in keinster Art und Weise durch den Kompetenzbereich einer Glaubensgemeinschaft legitimiert ist, das Anedere.

  5. @Michael: „[Die Trennung von Kirche und Staat] bedeutet nur, dass der Staat Religionsgemeinschaften gegenüber anderen Lobbygruppen […] nicht grundsätzlich bevorzugen darf.“ Wie bitte? Selbstverständlich bedeutet die Trennung von Kirche und Staat, das die Kirche auf die Gesetzgebung weder direkt noch indirekt Einfluss nehmen *darf*. Oder ist die Kirche etwa Sozialpartner? Schlimm genug, was dieser Verein in den vergangenen Jahrhunderten für Schaden angerichtet hat. Die katholische Kirche als „Interessengruppe“ zu bezeichnen finde ich außerdem etwas weit hergeholt – schließlich sind alle, die in dem Verein was zu sagen haben alte Männer, die weder Kinder bekommen können noch – laut internen Regen – welche zeugen dürfen. Sie vertreten damit ja auch nicht die Meinung ihrer Mitglieder, die mehrheitlich für die Fristenlösung sind. Das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren eigenen Körper ist eine der größten Erungenschaften der letzten fünfzig Jahre. Gerade die katholische Kirche sollte es sich nicht anmaßen, bei solchen Themen als Moralapostel aufzutreten.

  6. @diegranma: Das Problem ist, dass in Österreich gewisse Religionen bestimmte Privilegien haben, die andere Vereine nicht haben – z.B. dass die Religionslehrer bezahlt werden. Das ist aber ein politisches Problem und keines der kath. Kirche (bzw. anderer Religionsgemeinschaften), weil die Privilegien ja von der Politik aus gehen und nicht von den Religionsgemeinschaften.

    Alles andere ist zunächst nicht Relevant (Kindesmissbrauch ist natürlich eine Straftat und muss auch entsprechend bestraft werden). Man kann natürlich gegen die gesellschaftlichen Vorstellungen der kath. Kirche sein. Dass man aber erklärt, dass sie sich in eine politische Diskussion nicht einmischen darf finde ich bedenklich. Ob das den persönlichen Lebensraum betrifft oder nicht ist eigentlich auch nicht so relevant, weil ja sehr viele gesellschaftspolitische Fragen sehr stark in private Bereiche eindringen – wie z.B. Arbeitszeit, Pensionsrecht, Steuerrecht, usw.. Trotzdem gibt es Unmengen verschiedenster Organisationen die dazu ihren Senf abgeben.

    @Marie Gouze: Du hast ein falsches Verständnis der Trennung von Staat und Kirche: Die Trennung ist dann gegeben, wenn der Staat die Kirche nicht anders behandelt wie andere Vereine auch. Ein Verbot der Beeinflussung der Gesetzgebung durch Religionsgemeinschaften über normale Lobbyarbeit gibt es in keinem demokratischen Staat. Das wäre auch kaum durchzusetzen. Was ist z.B. wenn die Caritas eine höhere Sozialhilfe verlangt – darf sie das dann auch nicht?

    Die Sozialpartner sind nochmal ein anderes Thema. Aber zu jeder politischen Frage gibt es eine Unmenge von Lobbys (Interessenvertretungen, NGOs oder wie immer man sie auch nennen will), die versuchen die politischen Entscheidungen auf die eine oder andere weise zu beeinflussen. Und Religionsgemeinschaften sind gehören da auch dazu.

    Ich finde es interessant, dass in Österreich (bzw. ich glaube in vielen Staaten Europas) die Fristenlösung als so sakrosankt gilt, dass man darüber eigentlich kaum sprechen kann. In den USA gibt es da eine lebhafte Diskussion – angefangen von Evangelikalen, die Abtreibung unter praktisch allen Umständen ablehnen über eine Unzahl verschiedenster Facetten bis zu Leuten wie z.B. Peter Singer, die denken, dass man Kinder noch im Alter von 2-3 Jahren Abtreiben können sollte.

  7. Es hat ein jeder und eine jede menschgemäß das Recht, Meinungen zu vertreten, die Gesellschaft mitgestalten zu wollen, aber bedenklich in bezug auf Religion ist, was von Dritten freiwillig für diese immer noch geleistet wird: http://bernhardkraut.wordpress.com/2009/08/28/orf-und-religion-alles-rein-alles-sauber-bet-nur-brav-mit-vaterchen-im-bettchen-zum-jesulein/

  8. @Michael: ich habe ganz sicher kein falsches Verständnis von der Trennung von Kirche und Staat. Die Trennung bedeutet nicht nur eine offizielle Trennung (und nicht mal das haben wir in Österreich zusammengebracht), sondern eine echte gelebte Unabhängigkeit. Wenn die Kirche aber auf Gesetze Einfluss nimmt, ist diese Trennung nicht gegeben. Ganz einfach. Oder wäre es für dich in Ordnung, wenn die Kirche jedes einzelne Gesetz, das verabschiedet wird, beeinflussen würde? Die Kirche soll endlich akzeptieren und respektieren, dass ihre Zeiten der Machtausübung vorbei sind. Und ja, das gilt auch für die versuchte Gesetzesbeeinflussung der Caritas.

    Und ich finde es nicht interessant, dass bei uns keine Zustände herrschen wie in Amerika, dem Land des christlichen Fanatismus. Ich bin dankbar. Oder würdest du auch eine Diskussion über die Todesstrafe, wie es sie in Amerika gibt, bei uns in Europa begrüßen?

  9. @Marie Gouze: Die Religionsgemeinschaften beeinflusst ja normalerweise auch nicht, sie versucht es einfach nur. Aber es ist etwas vollkommen normales in einer Demokratie, dass Interessengemeinschaften (oder auch Einzelpersonen), die bestimmte Anliegen haben versuchen, Politiker in ihrem Sinn zu beeinflussen. Es kann ja nicht nur der Schönborn dem Häupl einen Brief schreiben – das kann jeder. Und warum solls dann der Schönborn nicht dürfen, aber die „Marie Gouze“ schon?

    Und wie ich ja geschrieben haben gibt es in den USA nicht nur die, die sich dafür einsetzen, dass Abtreibungen verboten werden, sondern auch die, die sich dafür einsetzen, dass die Abtreibungsgesetze liberalisiert werden (also z.B. Abtreibung bis bzw. während der Geburt). Ich meine es gibt ja keine wissenschaftliche Grundlage dafür, dass man im ersten Schwangerschaftsdrittel abtreiben darf und nachher nicht mehr. Es ist eine vollkommen willkürliche politische Entscheidung und es ist sonderbar, dass es kaum Diskussionen darüber gibt – weder zur Einschränkung der Abreibung noch zur Ausweitung.

  10. Morgen Do findet diesbezüglich die Demo „Abtreibung ist Frauenrecht“ hinter dem Wiener Rathaus statt.

  11. Weil es ein „Frauenrecht“ ist, darf man es nicht Mord nennen? @diegranma

    Frauenrecht auf Abtreibung meint Menschenrecht mit legalisiertem Tötungsrecht. Das ist Teil der gegenwärtigen „Kultur des Todes“.

    Und das Recht auf Selbsttötung (z.B. in Form des begleiteten Suizid) ist in „aufgeklärten“ Kreisen bereits akzeptiert und wird sich vermutlich auch in Österreich durchsetzen.

    Und selbsternannte „Humanisten“ wie Richard Dawkins fordern obendrein, dass Eltern eine christliche Erziehung ihrer Kinder verboten werden soll – damit die Kultur des Todes von klein auf eingerichtet wird.

    In meiner Generation wird sich die Kultur des Todes nur mehr marginal weiterentwickeln – und selbstverständlich werde ich meine Kinder weiterhin zur Wachsamkeit und Sensibilität im Hinblick auf den schleichenden Aufbau einer totalitären Gesellschaft erziehen.


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