Bologna ist tot. Lang lebe der Bologna-Prozeß!

Österreich und Ungarn richten 2010 die große 10-Jahre-Bologna-Konferenz aus. Zu feiern gibt es hingegen nichts. Auch wenn zum Beispiel die Wirtschaftskammer im Magazin der FH Wien „studio!“ wahre Lobeshymnen auf die neue Studienarchitektur singt. Kein Wunder: Werden Bachelorabsolventen oftmals nur als Halbakademiker angesehen und dementsprechend entlohnt, nutzt die Wirtschaft die neue Studienarchitektur primär als Lohndumpinginstrument.

Der Bologna-Prozeß hat eine Eigendynamik entwickelt, die mit vollgestopften Studienplänen, unnötigen Evaluierungen und Reglementierungen gespickt ist. Dadurch ensteht ein Paradoxon: Die Universitäten sollen mehr Akademiker produzieren, andererseits Studienplätze limitieren. Die Qualität der Studiengänge soll steigen, gleichzeitig sollen die Universitäten jedoch günstiger werden. Einerseits sollen sie autonom agieren, andererseits müssen sich alle den gleichen Standard beugen. Einerseits soll die Mobilität der Studierendengesteigert werden, andersrseits soll in Mindeststudienzeit studiert werden. Auf der einen Seite sollen die Grundlagen für eine wissenschaftliche Ausbildung gelernt werden, andererseit sollen die Grundstudien berufsqualifizierend sein. Man merkt schon: Das kann sich so nicht ausgehen.

Aber kommen wir zum Bologna-Prozeß an sich zurück: Bisher wurden die Ziele bei weitem nicht erreicht. Die Mobillität hat nicht zu- sondern abgenommen. Aufgrund starrer Lehrpläne ist der Wechsel der Studienorte schwieriger denn je. Die Studienzeiten haben sich nicht drastisch verkürzt – im Gegenteil. Es zeichnet sich bereits ab, dass der dreijährige Bachelor verlängert wird.

Die FHs haben derweil gut lachen. Sie bilden exakt entlang der Bedürfnisse der Wirtschaft aus. Der Geschäftsführer der FHWien-Studiengänge Michael Heritsch wird im „studio!“ zitiert: „Eine Fachhochschule, die Philosophie anbietet, kann ich mit nur schwer vorstellen.“ Klar, damit kann auch nicht unmittelbar Geld verdient werden.

Was bleibt, ist die Notwendigkeit einer echten Bildungsreform, die im Kindergarten beginnt und bei den Hochschulen endet. Aber dafür fehlt der Politik der Mut.

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