Verspielte Wissensgesellschaft – gut verzockt ist halb gewonnen

Dieser Beitrag hat ja auf sich warten lassen. Warum? Weil manche Dinge einfach gedanklich reifen müssen. Das würde so manchen Politikern im Übrigen auch nicht schaden – auch wenn Politiker chronisch unter dem Macher-Druck leiden. Aber zum eigentlichen Thema: Die Studentenproteste sind gerade dabei sich totzulaufen. Das verwundert an sich wenig, ist das doch ein ziemlich diffuser Haufen an Protestieren (Der gelernte Österreicher folgt ohnehin spontan dem „Ferdinand-Syndrom“ und fragt sich: „Dürfen’s denn das?“). Bei der Diskussion mit dem Rektorat der Uni Wien- im Dachfoyer des Juridicum abeschottet aber immerhin als Livestream mitverfolgbar – ist aber vor allem eines offensichtlich geworden: Die Studis wehren sich gegen die Ökonomisierung der Bildung. Sie wollen nicht, dass ihre Bildung zur Ausbildung verkommt.  Aber genau das passiert mit dem Bologna-Prozess. Im dreijährigen BA wird wirtschaftshörig breites Basiswissen vermittelt. Wer Glück hat, bekommt in seineem Masterstudiengang wissenschafltliche Spazialisierungshäppchen. Nur wer wirklich ein Hardcorewissenschafter ist, kommt beim PhD zu echten akademischen Weihen.
Am deutlichsten wird die Augenauswischerei ja bei den FHs. Im Wort Fachhochschule steckt ja bereits die Erklärung. Eine FH ist eine Schule. Und in einer Schule wird nun ein Mal  ausgebildet und nur wenig gebildet. Breites Allgemeinwissen für die Wissensgeselllschaft ist ein schöner Sager, meint jedoch nur die Verlagerung der Ausbildung von den Unternehmen zu (halböffentlichen) Hochschulen. Die Trägergesellschaften der FHs agieren gewinnorientiert – allein die Eigentümerstruktur spricht für sich. Aber das Werkl läuft wie geschmiert: Vor allem die Wirtschaftskammer scheut weder Kosten noch Mühen um mit der Monotonie einer tibetanischen Gebetsmühle die Vorteile des  neuen Systems zu huldigen.
Wer die Zeche dieser Entwicklung zahlt ist klar. Es ist die Zukunft unserer Gesellschaft. Aber die haben wir ohnehin schon aufgegeben. Widmen wir uns lieber wieder der größten Wählergruppe des Landes  – den Pensionisten. Die Jungen setzen wir am besten wieder vors Infotainmentprogramm des ORF – oder wenn’s sein muss eben in eine FH.

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