Profil drischt im besten Boulevardstil auf Personalvertreter ein

Wer denkt, der Boulevard wird von einschlägigen kleinformatigen Tageszeitungen beherrscht, der irrt. Mit der aktuellen Ausgabe drängt sich Profil ins Rampenlicht und überholt NEWS um Längen. Zuerst wird auf drei Seiten kollektiv auf die Beamtenschafft eingeprügelt, personifiziert durch GÖD-Chef Neugebauer. Man kann zu dem streitbaren Christgewerkschafter stehen wie man will – aber seinen Job macht er verdammt gut. In Sachen Klientellpolitik kann er Blecha und Kohl die Hand geben. Wäre es das gewesen, könnte man meinen es handle sich nur um das allseits beliebte Beamten-Bashing.
Aber wenige Seiten später hat Josef Redl seine Telekom-Kontakte angezapft. Und berichtet auf vier Seiten über die angeblichen Frechheiten des Telekom-Betriebsrates. Die Tatsache, dass die Interessensvertretung der Angestellten im Postbetriebsverfassungsgesetz explizit geregelt ist, findet nur kurze Erwähnung. Ebenso, dass das der Betreiebsrat seit Jahren auf fünf Freistellungen verzichtet.
Prinzipiell wird der Eindruck erweckt, die Telekom-Mitarbeiter, alle voran der Betriebsrat, liegen auf der faulen Haut und den Aktionären auf der Tasche. Was an sich schon lächerlich ist – für Managagementversäumnisse einen Angestellten oder den Betriebsrat verantwortlich zu machen.
Aber damit nicht genug: Was für ein Skandal! Ein ehemaliger Betriebsrat, der kein Mandat mehr bekam, wird einer neuen Dienstverwendung zugeführt! Aber sapperlot, da zeigt in der Personalabteilung wohl jemand Engagement?!
Und gleich der nächste Skandal: Die Telekom spart Geld indem sie dem Betriebsrat Dienstwägen zur Verfügung stellt und nicht teures Kilometergeld. Die arbeiten wirtschaftlich! Dürfen die das denn?
Den „Skandal“ einen BMW X3 zu fahren, den hängt Redl sicherheitshalber auch gleich dem Betriebsrat um. Dass sich diesen Wagen der mittlerweile entsorgte Finanzvorstand Colombo anschuf, scheint nebensächlich zu sein.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Sollte Herr Redl mit seiner eigenen Standesvertretung unzufrieden sein, so braucht er bloß ein paar Büros weiter zu gehen. Der für ihn zuständige Vorsitzende der GPA-DJP Franz C. Bauer sitzt in der selben Redaktion.

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2 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Gibt es einen Link zu dem Artikel?

  2. Auch auf die Gefahr hin, mir den Zorn meiner Blog-Kollegen zuzuziehen: Ich halten den Profil-Artikel durchaus für berechtigt – vor allem der vorletzte Satz gibt irgendwie zu denken:

    Privatjet, Kaffee mit zwei Milliardären, Verhandlungen über Republiksvermögen – anscheinend business as usual für einen Telekom-Betriebsrat.

    Also wäre ich ein Telekom-Mitarbeiter – ich würde mich angesichts solcher Tätigkeiten nicht sonderlich gut vertreten fühlen.


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