Ein Beispiel über die wahren Staatenlenker

Am Beispiel Griechenland wurde uns dieser Tage wieder ein Mal drastisch vor Augen geführt, wer auf dieser Welt wirklich die Staatsgeschäfte lenkt. Die Regierungen sind es jedenfalls nicht. Die behäbigen Apparate von UNO, IWF und Co wohl auch kaum. Doch schauen wir uns das Beispiel Goldman Sachs etwas genauer an.Goldman Sachs wurde 1889 gegründet. Der Jahresumsatz belief sich 2006 auf ca 70 Milliarden Dollar; GS machte fast 10 Milliarden Dollar Gewinn. Aber keien Angst, es geht hier nicht um die Privilegien der weltweit 30 000 Angestellten. Obwohl das durchschnittliche Jahresgehalt bei GS-Angestellten bei bescheidenen 622 000 Dollar liegt. CEO Lloyd Blankfein ist mit 70 Millionen Dollar der Spitzenverdiener an der Wall Street.
Der Einfluss von Goldmann erschöpft sich nicht darin, dass die Analysten die Kurse an den Börsen weltweit nach oben treiben oder drücken. Goldman beeinflusst unsere Weltsicht als Ganzes. Beispielsweise ventilierte Goldmann 2003 die Theorie, dass Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) eine eigene Kategorie aufstrebender Märkte darstellen und schuf eigene Finanzinstrumente, die den internationalen Märkten ihren Stempel aufdrückten. Das kann Einfluss auf Schiksale von Ministern und Regierungen haben, wenn sie auf der Suche nach Kapital bei Goldman ein und aus gehen.
Außerdem unterhält Goldman seit vielen Jahren enge Beziehungen zum öffentlichen Sektor. Von vier  Vorgängern Blankenfeins wurden zwei Finanzminster, zwei wurden Vorsitzende des  National Economic Council und einer ist Gouverneur von New Jersey. Der Stabschef im Weißen Haus (Josh Bolton) war ebenso bei Goldman wie der Weltbankchef Robert Zoellick. Die Listere derer, die vor oder nach ihrer Regierungstätigkeit für Goldman gearbeitet haben umfasst hunderte von Beamten auf der höheren Ebene. Kyle Pope, von der Los Angeles Times titelte am 4. Juni 2006: „Goldman Sachs Rules the World„.
Was gezeigt werden soll, ist der Einfluss von Firmen wie Goldman Sachs: Dies engen Beziehungen zum Staat führen dazu, dass Politiker aus führenden Unternehmen in die Regierungen gehen und anschließend zurück in diese Firmen, wodurch sich die Finanzwelt ihren Einfluss sichert. Bleiben wir beim Beispiel Goldman: Im Aufsichtsrat sitzen unter anderem Stephen Friedmann (ehemaliger CEO), James Johnson (ehemaliger Fannie Mae Chef), Bob Hormats und John Rogers (ehemaliger Staatssekretäre) oder der Ex-Vorsitzende der Federal Reserve Bank of New York Gerald Corrigan. Aberk eine Angst: Das selbe Bild bietet sich auch bei Morgan Stanley oder bei der Citibank.

Ein Beispiel für den direkten Einfluss der „Superunternehmen“ will ich noch geben. Für einen amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf braucht es Millionen an Spendengeldern. Die zehn größten Spender für Bushs Wahlkampf von 2004 waren Morgan Stanley, Merrill Lynch, PricewaterhouseCoopers, UBS Americas, Goldman Sachs, die MBNA Corporation, die Credit Suisse, Lehmann Brothers, die Citigroup und Bear Stearns. Was bekamen diese Unternehmen als Gegenleistung? Zugang zu ranghohen Beamten, Positionen in Beratungsgremien, Plätze auf Handelsreisen, usw. usw.
Die Liste ließe sich problemlos weiter fortsetzen. Aber dem Sinn zu zeigen,  wer die wahren Politikkapitäne dieser Welt sind, ist Genüge getan. Es darf wieder weiter geträumt werden.

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4 KommentareHinterlasse einen Kommentar

  1. Aber ja doch.
    Es war nicht nicht die jahrzehntelange, dumme Misswirtschaft und das ungerecht verteilte Leben über den eigentlichen Möglichkeiten, sondern ein Unternehmen, dass sich im letzten 100stel der Tragödie zum Komplizen gemacht hat.

    So einfach kann es sein, wenn man nur wirklich will, gell unbekannter Schreiber?

  2. Ich bin – zugegebener Maßen – nicht der Erste, der den Einfluss von internationalen Finanzhäusern bedenklich findet. Griechenland hat natürlich viele hausgemachte Probleme und wurde bei der exemplarischen Darstellung von GS lediglich als Beispiel genannt. Die genannten Fakten sind jedenfalls objektiv überprüfbar – gibt’s also auch irgend eine inhaltliche Kritik?

  3. Tom93 – natürlich sind Griechenlands Probleme hausgemacht, und im Endeffekt ist nur Griechenland dafür verantwortlich. Goldman Sachs war aber das Teufelchen auf Griechenlands Schulter, das das Land noch weiter in den Abgrund gelockt hat. Und das ist mMn sehr wohl zu kritisieren.

    Hier im übrigen ein interssanter Artiekl über GS: http://www.rollingstone.com/politics/story/29127316/the_great_american_bubble_machine

  4. „Internationale Finanzhäuser“, „die wahren Staatenlenker“ und sonstige Weltverschwörungen haben in Griechenland genau soviel Einfluss genommen, wie griechische Verbrecher es zugelassen haben.

    Als griechische Abkassierer zum finalen Finanzbetrug an der EU angesetzt haben -mit Hilfe von G.S.- ging dem eine jahrzehntelange Geschichte der Korruption voraus.

    Natürlich kann man von „wahren Politkapitänen“ phantasieren oder sich an Karikaturen im Stürmer-Stil erfreuen, wie sie Rolling-Stone zeigt -„Goldman Sachs has engineered every major market manipulation since the Great Depression“ (sic!)-, man könnte allerdings auch nach den wahren Verursachern solcher Krisen suchen.

    Das Ergebnis wäre dann natürlich vergleichsweise unspektakulär …


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