Wenn ein Migrant versucht einen Schulplatz zu bekommen

Da konnten die Direktoren einmal ihre Muskeln spielen lassen! Als die sehr höfliche, aber offensichtlich nicht aus Österreich stammende Frau um einen Platz für Ihren 13-jährigen Sohn ansuchte, war es ein leichtes „Nein“ zu sagen. Warum? Vielleicht weil die Familie aus Amerika ist und der Vater als Schlüsselarbeitskraft nach Österreich geholt wurde? Ah, wenn das so ist, dann hat diese Familie doch Geld, nicht wahr? Für eine Spende von 12.000 Euro, wäre der Platz schon zu haben. Die Frau ist – überaschender Weise – einigermaßen erstaunt über dieses „Angebot“.

Jetzt ist es zwar – der Logik der Innenministerin folgend – vorstellbar, dass es Migranten aus der Kategorie „Analphabeten aus irgendeinem Bergdorf“ schwer fällt, ihren Kindern unabhängig von deren Begabung einen Platz in einem Gymnasium zu verschaffen, aber dass es auch für ein Akademikerpaar aus Amerika genauso unmöglich ist, sollte selbst eine Hardcore-Abschieberin wie Frau Fekter stutzig machen. (mehr …)

Es ist Samstag Abend

Es ist Samstag Abend und die Dinge stehen gut. Wir sind auf der Suche nach viel neuem Mut. Am Wochenende hat man in der Großstadt niemals eine Ruh‘. Warum also nicht zur Kundgebung im Nu. Uns bleibt nur noch eine Chance. Hinein in die U-Bahn! Widerstand feiert Renaissance!

Mehr zu Bilanz und Ausblick der Kundgebung „Machen wir uns stark“ am 18.9.2010 am Heldentor an der Wiener Ringstraße

Die Universität ist keine Oper

Die Neowissenschaftsministerin will sich offensichtlich einen Karl machen. Nicht anders ist es zu erklären, dass sie die Universitäten mit der Oper vergleicht. Die studierte Juristen sollte es besser wissen: Ein Studium wird nicht der Gaude und Unterhaltung wegen betrieben. Auch ist es nicht um den Preis einer Opernkarte zu erwerben. Wer kurzweilige Unterhaltung haben will ist in der Oper sicher besser aufgehoben als in einem mindestens drei Jahre dauernden Studium. Mit diesen Äußerungen hat sich die Ministerin vor der heute stattfindenden Fragestunde keinen guten Dienst geleistet. Aber immerhin hat sie sich selbst demaskiert. „Eignungstest“ für alle (z.B. gestern in der ZiB1) oder aber Kontingente. Zumindest eine klare Ansage.

Auch ihr Vorgänger Johannes Hahn ist derweil erneut in den Schlagzeilen: Seine Dissertation wird wieder unter die Lupe genommen – Hahn sah sich bereits in der Vergangenheit wiederholt mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert.

Ehrenzeichen für Studentenproteste

Noch vor wenigen Wochen waren die Schlagzeilen voll von protestierenden, besetztenden und demonstrierenden Studenten. Dann rief Noch-Wissenschaftsminister Hahn zum Bildungsdialog. Was von der Reformbewegung geblieben ist? Dank geschickter Arbeitsgruppenaufdröselung wurde dem Protest der Gar ausgemacht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen (z.B.: der AG 5) passiert in den Arbeitsgruppen – mit Verlaub – nichts.

Damit ist (böse Zungen behaupten sogar bewusst) das zarte Reformpflänzchen wieder umgebracht worden, das den Hochschulen so gut getan hätte. Ein großartiges Abschiedsgeschenk des neuen EU-Kommissars. Aber immerhin weiß die Republik was sich gehört: Hahn bekommt das Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich nach Brüssel mitgeschickt. Immerhin hat er den Ministersessel drei Jahre lang warm gehalten.

Verspielte Wissensgesellschaft – gut verzockt ist halb gewonnen

Dieser Beitrag hat ja auf sich warten lassen. Warum? Weil manche Dinge einfach gedanklich reifen müssen. Das würde so manchen Politikern im Übrigen auch nicht schaden – auch wenn Politiker chronisch unter dem Macher-Druck leiden. Aber zum eigentlichen Thema: Die Studentenproteste sind gerade dabei sich totzulaufen. Das verwundert an sich wenig, ist das doch ein ziemlich diffuser Haufen an Protestieren (Der gelernte Österreicher folgt ohnehin spontan dem „Ferdinand-Syndrom“ und fragt sich: „Dürfen’s denn das?“). Bei der Diskussion mit dem Rektorat der Uni Wien- im Dachfoyer des Juridicum abeschottet aber immerhin als Livestream mitverfolgbar – ist aber vor allem eines offensichtlich geworden: Die Studis wehren sich gegen die Ökonomisierung der Bildung. Sie wollen nicht, dass ihre Bildung zur Ausbildung verkommt.  Aber genau das passiert mit dem Bologna-Prozess. Im dreijährigen BA wird wirtschaftshörig breites Basiswissen vermittelt. Wer Glück hat, bekommt in seineem Masterstudiengang wissenschafltliche Spazialisierungshäppchen. Nur wer wirklich ein Hardcorewissenschafter ist, kommt beim PhD zu echten akademischen Weihen.
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Österreichs Unis liegen im Koma

400 Studenten müssen sich einen Professor teilen (z.B. auf der Publizistik). Vorlesungen mit bis zu 1.500 ZuhörerInnen sind keine Seltenheit. Und was macht Minister Hahn? Er empfiehlt Studienanfängern auf Studien auszuweichen die ein besserer Betreuungsverhältnis aufweisen. Hätte er es selbst gemacht? Nein, natürlich nicht (nachzulesen u.a. im aktuellen Profil).

Deutschen Studenten werden auch gerne dafür instrumentaliseirt um Studiengebühren zu rechtfertigen. Was definitiv Blödsinn ist: Die Deutschen lassen sich auch nicht von Studiengebühren abschrecken, da sie in Deutschland aufgrund ihres Notendurchschnitts für ihr Wunschstudium nicht zugelassen werden. Während es Studiengebühren in Österreich gab, hat sich die Zahl der deutschen Studenten verdreifacht (von 6.000 auf rund 20.000).

Und was haben die Studiengebühren gebracht? Die Zahl der Studierenden mit Nebenjobs stieg rasant an. Außerdem stellen Studiengebühren (trotz Stipendien) eine Hürde für sozial Schwächere dar, da sich viele Förderungswürdige gar nicht nach Stipendien erkundigen.

Aber der Bologna-Prozess wird’s schon richten. Zumindest in der Welt von Minister Hahn. Dabei ist sogar die ÖVP-Aktionsgemeinschaft mit der Umsetzung unzufrieden. Schließlich kann man nicht einmal innerhalb Wiens zwischen Wirtschaftsuni und Hauptuni auf unkomplizierte Anrechnungsmodalitäten hoffen.

Published in: on 6. November, 2009 at 12:40  Comments (1)  
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Bologna ist tot. Lang lebe der Bologna-Prozeß!

Österreich und Ungarn richten 2010 die große 10-Jahre-Bologna-Konferenz aus. Zu feiern gibt es hingegen nichts. Auch wenn zum Beispiel die Wirtschaftskammer im Magazin der FH Wien „studio!“ wahre Lobeshymnen auf die neue Studienarchitektur singt. Kein Wunder: Werden Bachelorabsolventen oftmals nur als Halbakademiker angesehen und dementsprechend entlohnt, nutzt die Wirtschaft die neue Studienarchitektur primär als Lohndumpinginstrument.

Der Bologna-Prozeß hat eine Eigendynamik entwickelt, die mit vollgestopften Studienplänen, unnötigen Evaluierungen und Reglementierungen gespickt ist. Dadurch ensteht ein Paradoxon: Die Universitäten sollen mehr Akademiker produzieren, andererseits Studienplätze limitieren. Die Qualität der Studiengänge soll steigen, gleichzeitig sollen die Universitäten jedoch günstiger werden. Einerseits sollen sie autonom agieren, andererseits müssen sich alle den gleichen Standard beugen. Einerseits soll die Mobilität der Studierendengesteigert werden, andersrseits soll in Mindeststudienzeit studiert werden. Auf der einen Seite sollen die Grundlagen für eine wissenschaftliche Ausbildung gelernt werden, andererseit sollen die Grundstudien berufsqualifizierend sein. Man merkt schon: Das kann sich so nicht ausgehen. (mehr …)

Danach kräht kein Hahn

Nachdem das Universitätsgesetz, während der Sommerferien – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – geändert wurde, ist für viele Studenten das Maß voll. Vernünftiges Studieren ist in vielen Fällen zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden. Das sieht auch Minister Hahn so – und will mit Zugangsbeschränkungen gegensteuern.

Zur Abwechslung hat Hahn diesmal jedoch mit den Studierenden gesprochen. Die 34 Millionen, die er den Studenten anbietet, sind aber bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein – und ein Schmäh obendrein: Ein Großteil des Geldes soll einfach aus dem Budgets 2010 vorgezogen werden. Na, wenn das keine nachhaltige Finanzpolitik ist… SeinE Minister-NachfolgerIn wird es ihm jedenfalls danken!

Wie dem auch sei: So lange Österreich mehr in den Pensionstopf zuschießt als in die Bildung investiert wird sich an den Universitäten nichts ändern. Für einen ordentlichen Studienbetrieb müssten ca. 1,7 % des BIP für Hochschulen aufgewendet werden. Werden die Unis aber mit ca. 1% abgespeist. Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben…

Neugebauer soll endlich in Pension

Der alternde oberste Beamtengewerkschafter Fritz Neugebauer tut, was er reflexartig immer tut. Er ist dagegen. Bildungsministerin Schmied will das Sitzenbleiben abschaffen. Neugebauer sagte heute im „Hohen Haus“, dass Sitzenbleiben sei eine „Chance für jene Schüler, die in ihrer Entwicklung retardiert sind“. Womit er ein Mal mehr beweist, wie ahnungslos er ist. Denn eine Klasse zu wiederholen, ist keine Chance sondern Strafe. Der Jugendliche wird aus seinem Umfeld heraus gerissen und mit Hohn bedacht. Nicht gerade pädagogisch wertvoll. (mehr …)

Die Studis haben gewählt. Manche zumindest.

Das Interesse der Studierenden an ihrer Vertretung ist traditionell nicht sehr groß. 25% Wahlbeteiligung stellt allerdings keine Stagnation auf niedrigem Niveau, sondern eher ein All time low dar. Es ist wenig verwunderlich, dass FLÖ und AG gewonnen haben, während VSSTÖ und GRAS auf der Verliererseite standen. Was tatsächlich bemerkenswert war, ist der Versuch E-Voting in Österreich einzuführen. Nicht einmal 2.200 Studierende nutzten diese Möglichkeit. Was vielleicht auch an der stümperhaften und breit kritisierten Umsetzung lag. Und das wirft kein gutes Licht auf den ohnehin wenig glückreichen – wir denken kurz auch an CERN – BM Hahn.

Published in: on 29. Mai, 2009 at 11:54  Schreibe einen Kommentar  
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