Mediales Konjunkturpaket

Als ich heute die Tageszeitung meines Vertrauens aufschlug, traute ich meinen Augen nicht. Gleich auf Seite fünf prangte ein ganzzeitiges Inserat unserer Bundesregierung, die mit Lobhudelei ihr Krisenmanagement an den Leser brachte. Aber keine Angst. Es handelt sich nicht bloß um ein verirrtes Inserat, sondern um großflächige Inserate in mehreren Printmedien. Genau diese Kampagne hatte Finanzminister Pröll im Juni abgesagt, mit dem Hinweis, das Geld werde für die Hochwaseropfer benötigt. Scheint so, als ob die Hochwasseropfer aus Sicht der Bundesregierung doch nicht so bedürftig wären, wie die heimischen Medien.

Die Regierung und das Werbebudget

Jeder will gerne gut dastehen. Vor allem wenn man(n) im Rampenlicht steht. So gesehen waren wir überrascht, als ziemlich genau vor einer Woche Finanzminster Pröll verkündete, die ausgeschriebene Informatinoskampagne der Bundesregierung wieder abzublasen. Die paar Millionen Euro (er sprach von fünf, andere von drei Millionen) sollten lieber den Hochwasseropfern zu Gute kommen. Was bei einem geschätzen Schaden von mehr als 1,5 Milliarden Euro ein wenig nach Hohn klingt.
Nichts desto trotz habe ich diese Wochenende wieder die Tageszeitung meines Vertrauens aufgesschlagen. Statt der gewohnten internationalen Berichterstattung, sprang mir auf Seite drei ein ganzseitiges Iserat des Bundespressedienstes entgegen. Ordentlich als „Bezahlte Anzeige“ deklariert also in jedem Fall gegen Entgelt platziert. Jetzt frage ich mich natürlich schon, ob die rote Reichshälfte unter dem Motto „Jetzt erst recht“ dem Finanziminister zeigen möchte wie Globalbudgets gewinnbringend in Medienkooperationen veranlagt werden?
Wie dem auch sei: Das Gehabe des Vizekanzlers ist lächerlich: Mit den drei Millionen ist keinem Hochwasseropfer wirklich geholfen. Statt dessen hätte er die Maßnahmen der Bundesregierung gegen die Krise ruhig auch der Bevölkerung erklären können. Die ist nämlich schon längstens mit der Bundesregierung unzufrieden – vielfach weil die Maßnahmen der Regierung weder bekannt, noch unmittelbar spürbar sind.

Published in: on 5. Juli, 2009 at 17:34  Kommentar verfassen  
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