Mediales Konjunkturpaket

Als ich heute die Tageszeitung meines Vertrauens aufschlug, traute ich meinen Augen nicht. Gleich auf Seite fünf prangte ein ganzzeitiges Inserat unserer Bundesregierung, die mit Lobhudelei ihr Krisenmanagement an den Leser brachte. Aber keine Angst. Es handelt sich nicht bloß um ein verirrtes Inserat, sondern um großflächige Inserate in mehreren Printmedien. Genau diese Kampagne hatte Finanzminister Pröll im Juni abgesagt, mit dem Hinweis, das Geld werde für die Hochwaseropfer benötigt. Scheint so, als ob die Hochwasseropfer aus Sicht der Bundesregierung doch nicht so bedürftig wären, wie die heimischen Medien.

Die Krise ist bei den Medien angekommen

Vor wenigen Tagen haben zahlreiche Journalisten versucht entgegen aller Prognosen von OeNB, IHS und WIFO das Ende der Krise – spätestens für Ende 2009 – herbeizuschreiben. Und dann das. Den lustigen Reigen begann die Presse (schon vor längerem), die ihre Journalisen nur mehr nach Gewerbe-Kollektivvertrag anstellt. Dann legte das Wirtschaftsblatt (ebenfalls Styria) nach: Nur 11 der 80 Journalisten bleiben direkt bei der Tageszeitung angestellt. Die anderen Journalisten müssen weg. Zumindest in Tochtergesellschaften, was mit Gehaltseinbußen verbunden ist. Und am Freitag wurde bekannt, dass die APA alle weiteren Neuzugänge nach dem Gewerbe-KV anstelle des Journalisten-KV beschäftigen wird.
Die Presse stellt im Sommer übrigens das Schaufenster ein. Vermutlich auch, weil die Sonntagszeitung so ein großer Erfolg ist.

Published in: on 20. Juni, 2009 at 16:37  Comments (1)  
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Die ersten sichtbaren Krisengewinner

Dieses fidele Ranking führen zweifelsohne derzeit die Pharmaunternehmen an. Bedingt durch weltweite Panikmache (warum schert sich eigentlich niemand um die Tausenden Grippetote, die jede Grippewelle jährlich mit sich bringt?) schießen deren Gewinne bzw. Aktienkurse in die Höhe.
Auch Tabakunternehmen dürften es (zumindest in China) nicht so schlecht gehen: Um die Tabakindustrie anzukurbeln müssen die Beamten der Provinz Hubei nun qualmen was das Zeug hält. Das Soll-Ziel muss je Abteilung erreicht werden – Abteilungen die darunter liegen sollen bestraft werden.
Um ein drittes Beispiel zu nennen fällt mit die Automobilindustrie ein: Sie gehört offensichtlich nicht geschlossen zu den Verlierern. Da will Fiat doch glatt (mit 6,6 Mrd. Euro Schulden im Gepäck) zuerst 20% von Chrysler übernehmen und dann auch noch Opel. Wie das gehen soll? Na durch Staatshilfe natürlich! Sergio Marchionne – der Fiat-Boss – hat bei Fiat bisher einen harten Sparkurs verfolgt. Was die „Portokassa“ aber trotzdem nicht überquellen lässt. Und weder Chrysler noch Fiat glänzten in der Vergangenheit durch Innovationsgeist. Was für die zukünftige Ausrichtung auf bestehenden Märkten wie auch auf Hoffnungsmärkten (Stichwort Russland) wohl kaum ein zusätzliches Asset sein dürfte.
Einen Gewinner gab es offfensichtlich auch bei einer fidelen Pokerrunde in Barcelona: Dort hat der russische Milliardär Roman Abramowitsch (genau, das ist der dem Chelsea gehört) angeblich seine Luxusjacht verspielt. Aber die war ja nur eine halbe Million Dollar schwer.

Das rote-Salon-Konjunkturpaket

Die Kreativabteilung des roten Salon hat möchte einen Beitrag zu den allerorts vorgestellen Konjunkturprogrammen leisten.
Daher schlagen wir folgende Maßnahmen vor, um die Wirtschaft anzukurbeln:
– Schließen Sie eine Sterbeversicherung ab.
– Heizen und lüften Sie gleichzeitig.
– Leihen Sie Ihren Kollegen Geld.
– Treten Sie einem Polo- und einem Golf-Club bei.
– Fahren Sie ausschließlich nur mehr mit angezogener Handbremse.
– Investieren sie in einen großen Autozuliferer. Am besten auf Kredit.
– Ziehen sie den Frühjarsputz antizyklisch vor.
– Befolgen Sie unreflektiert sämtliche Anlagetipps vom Banker Ihres Vertrauens.

Published in: on 17. März, 2009 at 18:14  Comments (1)  
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„Damals haben wir auch schon ganz gut gelebt“

Bei einer Veranstaltung des Europäischen Finanzforums Ende Jänner in Hamburg fand sich ein Exportunternehmer, der zweifelsohne ein Optimist ist. Angeblich trifft die Wirtschaftkrise Exporteure besonders hart. Und er gibt auch zu: Das vierte Quartal 2008 war schlechter als das dritte. Allerdings immer noch besser als das vierte Quartal ein Jahr davor. Und wenn der Umsatz im Jahresdurchschnitt tatsächlich um 15 Prozent zurückginge, dann wäre er auf dem Stand von 2006. Nach kurzem Zögern räumt er ein: „Aber damals haben wir auch schon ganz gut gelebt“.

Diese Aussage erstaunte mich. Ein Unternehmer der unaufgeregt nicht pausenlos nach immer höheren Gewinnen giert? Ich bin perplex und denke an große deutsche Unternehmen die ich kenne: zum Beispiel die deutsche Bank. War diese im Juli 2007 an der Börse noch 56,5 Milliarden Euro schwer, sind es im Jänner 2009 bloß noch 9,7 Milliarden. Ich bin beruhigt. Die Krise ist doch keine Fata Morgana.

Published in: on 17. März, 2009 at 17:51  Comments (4)  
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Wie die Österreicher die Krise spüren und was den Politikern dazu einfällt

Nach den Banken und Autozulieferern streicht Otto-Versand in Graz nun 270 Jobs und sperrt gleich das ganze Logistikzentrum in der Steiermark zu. Währenddessen erklärt GPA Boss Katzian (im morgigen Kurier Interview), dass die Verstaatlichungen einer Bank für ihn kein Tabu sei. Das ist beachtlich: Gerade ein Gewerkschafter – wir erinnern uns an die BAWAG – hat nichts gegen die Verstaatlichung einer Bank. An sich schon problematisch genug, dass die Bosse der Schattenregierung namens Sozialpartnerschaft im Parlament bzw. in Ministerien sitzen. Die Krise jedoch mittels Verstaatlichung retten zu wollen ist das falsche Konzept und erinnert an die Idee Verluste zu verstaatlichen und Gewinne zu privatisieren.
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Published in: on 4. Februar, 2009 at 18:48  Schreibe einen Kommentar  
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Raiffeisen ist in der Krise angekommen

Ohne Ostgeschäft hätten die 1,5 Mrd. Euro „Ausfälle“ der RZB 2008 einen ordentlichen Verlust beschert. Das staatliche Hilfspaket wollen die erfolgsverwöhnten Gibelkreuzlern aber erst nächstes Jahr in Anspruch nehmen. Das soll vermutlich heissen: In drei Wochen. Was so schön „Wertberichtigung“ heisst, bedeutet weg. 252 Millionen hat die Raika zum Beispiel die Lehmanpleite gekostet. Aber die RZB ist nur ein Beispiel für viele Banken, die 2008 keinen oder nur mehr einen kleinen Gewinn machen. Das eigentlich Lustige an der Sache ist ja die Überheblichkeit der Banker. Vor gar nicht langer Zeit tönte Raiffeisen-General Christian Konrad  noch in Ackermann-Manier „Nur über meine Leiche“. Demnach müssten jetzt einige Banker ziemlich tot sein…

Published in: on 18. Dezember, 2008 at 16:22  Comments (1)  
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Kommunalkredit nur vorgeschoben

Eine Bank ohne Spar- und Girokonten wurde nun also von der heimischen Bankengemeinschaft vorgschoben um als erste Unterstützung durch den Staat zu erhalten. Eine interessante Entwicklung, borgt doch der Bund einer Bank Geld, die es dann an Länder und Gemeinden weiterverborgt. von diegranma
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Published in: on 28. Oktober, 2008 at 09:43  Comments (6)  
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