Die Polizei ist wieder ein Mal in den Schlagzeilen

Ruhmesmeldung eins:
Wir erinnern uns an den Fall eines Englischlehrers mit dunkler Hautfarbe, der  von Polizisten aufgrund einer Verwechslung in der Wiener U-Bahn niedergeschlagen wurde. Der US-Staatsbürger und Lehrer hat vor einem Jahr schwere Vorwürfe gegen die Polizisten erhoben. Die Aufregung um die Einstellung des Verfahrens gegen die beiden Polizisten ist aber umsonst: Laut Staatsanwaltschaft Korneuburg habe es eine Verwechslung mit einem anderen Verfahren gegeben. Es habe nämlich noch ein weiteres Verfahren gegen einen der beiden Polizisten gegeben – dieses sei eingestellt worden. Bezeichnend genug, das ein Polizist gleich mehrere Verfahren gegen sich laufen hat. Ganz abgesehen davon, das es sonderbar anmutet, wenn ein Bürger bei einer Amtshandlung  schwer verletzt wird.

Ruhmensmeldung zwei:
900 Polizisten arbeiteten am Wochenende bei einer 24 stündigen Schwerpunktaktion. Die Kosten betragen schlappe 100.000 Euro. Die 12.100 Kontrollen brachten 13 Festnahmen. Na wenn das keine fette Ausbeute ist: Sechs Menschen, wurden nicht wegen einer Straftat, sondern wegen eines Verwaltungsdelikts festgenommen (illegale Migration), vier wegen Einbruchs und zwei wegen Kfz-Diebstahls.  Umgerechnet kostete also jede Festnahme rund 8.000 Euro. Oder einen Jahresgehalt einer Innenministerin. Wenn man dieses Geld besser in Prävention und Beratung investieren würde, könnte man sich die zumindest an diesem Beispiel gleich die Hälfte der Verhaftungen sparen.

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Wann beginnt der Arbeitskampf?

Viele Österreicher spüren es am eigenen Leib – und die Medien verstärken dieses Gefühl. Der Standard schreibt über Betriebsversammlungen bei der Styria, weil sich die Journalisten nicht gefallen lassen wollen, dass sie in Zukunft den (schlechteren) Gewerbekollektivvertrag bekommen sollen. Datum stellt an Hand des Beispiels von enttäuschten Kindergärtnerinnen den ÖGB in Frage. Kurier und WirtschaftsBlatt berichten, dass die Bau-Zulieferer im ersten Halbjahr 2009 ca. 300 Millionen weniger Umsatz machten und sich  vorsorglich von 6,2 % aller Beschäftigten trennten.
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Viel geprügelt, kaum beachtet: Die Lehrer

Lehrer zu sein ist sicher nicht leicht. Genau genommen ist es ein ziemlich harter Job. Aber gerade in der Wirtschaftskrise haben viele Menschen gar keinen Job und wären froh über zumindest einen anstrengenden. Am 12. März wird die erste Protestmaßnahme der Lehrer stattfinden. Doch ist dieser gerechtfertigt? Wagen wir einen kurzen Blick über die heimischen Grenzen hinaus: Laut OECD unterrichten Österreichs Lehrer 607 Stunden netto pro Jahr. Das ist bei weitem weniger als im OECD Durchschnitt (717 Stunden). Wenn wir die USA einmal als Sonderfall aussen vor lassen (dort stehen Lehrer im jahr 1080 Stunden in den Klassen), ist Deutschland (758), die Niederlande (750) und Spanien (713) drei durchwegs vergleichbare Länder, in denen Lehrer bei weitem mehr unterrichten al in Österreich.
Ins österreichische Bildungssystem zu investieren ist grundvernünftig. Daher macht es auch Sinn die Unterrichtszeit adäquat anzuheben und vermehrte Fördermöglichkeiten anzubieten. Ministerin Schmied ist auf einem guten Weg, wir halten ihr die Daumen.

Published in: on 4. März, 2009 at 08:37  Comments (5)  
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Persilschein für die Polizei

Die interne Untersuchung der Wiener Polizei stellt den beiden Beamten die vor zwei Wochen einen amerikanischen Lehrer mit einem Dealer verwechselten und verletzten einen Persilschein aus. Alles in Ordnung, die Beamten bleiben im Dienst. Und Polizeipräsident legt gleich nach: „solange ich merke, dass ihre Amtshandlungen von den gesellschaftlichen und rechtlichen Werten unserer Stadt, unseres Landes getragen sind und das ist nach dem jetztigen Ermittlungsstand der Fall“. Das mit den gesellschaftlichen Werten ist aber ein Problem. Alltagsrassismus und Fremdenfeindlichkeit sind in der österreichischen Bevölkerung leider weit verbreitet. Manche Parteien punkten beim Wahlvolk mit xenophoben Parolen. Wir hoffen, dass die gerichtlichen Erhebungen sich nicht von gesellschaftlichen Werten leiten lassen, sondern ausschließlich darüber entscheiden ob die Polizisten gerecht gehandelt haben oder nicht. Nichts anderes zählt.

Published in: on 26. Februar, 2009 at 09:21  Schreibe einen Kommentar  
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