Österreichs Unis liegen im Koma

400 Studenten müssen sich einen Professor teilen (z.B. auf der Publizistik). Vorlesungen mit bis zu 1.500 ZuhörerInnen sind keine Seltenheit. Und was macht Minister Hahn? Er empfiehlt Studienanfängern auf Studien auszuweichen die ein besserer Betreuungsverhältnis aufweisen. Hätte er es selbst gemacht? Nein, natürlich nicht (nachzulesen u.a. im aktuellen Profil).

Deutschen Studenten werden auch gerne dafür instrumentaliseirt um Studiengebühren zu rechtfertigen. Was definitiv Blödsinn ist: Die Deutschen lassen sich auch nicht von Studiengebühren abschrecken, da sie in Deutschland aufgrund ihres Notendurchschnitts für ihr Wunschstudium nicht zugelassen werden. Während es Studiengebühren in Österreich gab, hat sich die Zahl der deutschen Studenten verdreifacht (von 6.000 auf rund 20.000).

Und was haben die Studiengebühren gebracht? Die Zahl der Studierenden mit Nebenjobs stieg rasant an. Außerdem stellen Studiengebühren (trotz Stipendien) eine Hürde für sozial Schwächere dar, da sich viele Förderungswürdige gar nicht nach Stipendien erkundigen.

Aber der Bologna-Prozess wird’s schon richten. Zumindest in der Welt von Minister Hahn. Dabei ist sogar die ÖVP-Aktionsgemeinschaft mit der Umsetzung unzufrieden. Schließlich kann man nicht einmal innerhalb Wiens zwischen Wirtschaftsuni und Hauptuni auf unkomplizierte Anrechnungsmodalitäten hoffen.

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Published in: on 6. November, 2009 at 12:40  Comments (1)  
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Bologna ist tot. Lang lebe der Bologna-Prozeß!

Österreich und Ungarn richten 2010 die große 10-Jahre-Bologna-Konferenz aus. Zu feiern gibt es hingegen nichts. Auch wenn zum Beispiel die Wirtschaftskammer im Magazin der FH Wien „studio!“ wahre Lobeshymnen auf die neue Studienarchitektur singt. Kein Wunder: Werden Bachelorabsolventen oftmals nur als Halbakademiker angesehen und dementsprechend entlohnt, nutzt die Wirtschaft die neue Studienarchitektur primär als Lohndumpinginstrument.

Der Bologna-Prozeß hat eine Eigendynamik entwickelt, die mit vollgestopften Studienplänen, unnötigen Evaluierungen und Reglementierungen gespickt ist. Dadurch ensteht ein Paradoxon: Die Universitäten sollen mehr Akademiker produzieren, andererseits Studienplätze limitieren. Die Qualität der Studiengänge soll steigen, gleichzeitig sollen die Universitäten jedoch günstiger werden. Einerseits sollen sie autonom agieren, andererseits müssen sich alle den gleichen Standard beugen. Einerseits soll die Mobilität der Studierendengesteigert werden, andersrseits soll in Mindeststudienzeit studiert werden. Auf der einen Seite sollen die Grundlagen für eine wissenschaftliche Ausbildung gelernt werden, andererseit sollen die Grundstudien berufsqualifizierend sein. Man merkt schon: Das kann sich so nicht ausgehen. (mehr …)

Danach kräht kein Hahn

Nachdem das Universitätsgesetz, während der Sommerferien – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – geändert wurde, ist für viele Studenten das Maß voll. Vernünftiges Studieren ist in vielen Fällen zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden. Das sieht auch Minister Hahn so – und will mit Zugangsbeschränkungen gegensteuern.

Zur Abwechslung hat Hahn diesmal jedoch mit den Studierenden gesprochen. Die 34 Millionen, die er den Studenten anbietet, sind aber bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein – und ein Schmäh obendrein: Ein Großteil des Geldes soll einfach aus dem Budgets 2010 vorgezogen werden. Na, wenn das keine nachhaltige Finanzpolitik ist… SeinE Minister-NachfolgerIn wird es ihm jedenfalls danken!

Wie dem auch sei: So lange Österreich mehr in den Pensionstopf zuschießt als in die Bildung investiert wird sich an den Universitäten nichts ändern. Für einen ordentlichen Studienbetrieb müssten ca. 1,7 % des BIP für Hochschulen aufgewendet werden. Werden die Unis aber mit ca. 1% abgespeist. Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben…