Die Universität ist keine Oper

Die Neowissenschaftsministerin will sich offensichtlich einen Karl machen. Nicht anders ist es zu erklären, dass sie die Universitäten mit der Oper vergleicht. Die studierte Juristen sollte es besser wissen: Ein Studium wird nicht der Gaude und Unterhaltung wegen betrieben. Auch ist es nicht um den Preis einer Opernkarte zu erwerben. Wer kurzweilige Unterhaltung haben will ist in der Oper sicher besser aufgehoben als in einem mindestens drei Jahre dauernden Studium. Mit diesen Äußerungen hat sich die Ministerin vor der heute stattfindenden Fragestunde keinen guten Dienst geleistet. Aber immerhin hat sie sich selbst demaskiert. „Eignungstest“ für alle (z.B. gestern in der ZiB1) oder aber Kontingente. Zumindest eine klare Ansage.

Auch ihr Vorgänger Johannes Hahn ist derweil erneut in den Schlagzeilen: Seine Dissertation wird wieder unter die Lupe genommen – Hahn sah sich bereits in der Vergangenheit wiederholt mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert.

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Bologna ist tot. Lang lebe der Bologna-Prozeß!

Österreich und Ungarn richten 2010 die große 10-Jahre-Bologna-Konferenz aus. Zu feiern gibt es hingegen nichts. Auch wenn zum Beispiel die Wirtschaftskammer im Magazin der FH Wien „studio!“ wahre Lobeshymnen auf die neue Studienarchitektur singt. Kein Wunder: Werden Bachelorabsolventen oftmals nur als Halbakademiker angesehen und dementsprechend entlohnt, nutzt die Wirtschaft die neue Studienarchitektur primär als Lohndumpinginstrument.

Der Bologna-Prozeß hat eine Eigendynamik entwickelt, die mit vollgestopften Studienplänen, unnötigen Evaluierungen und Reglementierungen gespickt ist. Dadurch ensteht ein Paradoxon: Die Universitäten sollen mehr Akademiker produzieren, andererseits Studienplätze limitieren. Die Qualität der Studiengänge soll steigen, gleichzeitig sollen die Universitäten jedoch günstiger werden. Einerseits sollen sie autonom agieren, andererseits müssen sich alle den gleichen Standard beugen. Einerseits soll die Mobilität der Studierendengesteigert werden, andersrseits soll in Mindeststudienzeit studiert werden. Auf der einen Seite sollen die Grundlagen für eine wissenschaftliche Ausbildung gelernt werden, andererseit sollen die Grundstudien berufsqualifizierend sein. Man merkt schon: Das kann sich so nicht ausgehen. (mehr …)

Danach kräht kein Hahn

Nachdem das Universitätsgesetz, während der Sommerferien – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt – geändert wurde, ist für viele Studenten das Maß voll. Vernünftiges Studieren ist in vielen Fällen zu einem Ding der Unmöglichkeit geworden. Das sieht auch Minister Hahn so – und will mit Zugangsbeschränkungen gegensteuern.

Zur Abwechslung hat Hahn diesmal jedoch mit den Studierenden gesprochen. Die 34 Millionen, die er den Studenten anbietet, sind aber bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein – und ein Schmäh obendrein: Ein Großteil des Geldes soll einfach aus dem Budgets 2010 vorgezogen werden. Na, wenn das keine nachhaltige Finanzpolitik ist… SeinE Minister-NachfolgerIn wird es ihm jedenfalls danken!

Wie dem auch sei: So lange Österreich mehr in den Pensionstopf zuschießt als in die Bildung investiert wird sich an den Universitäten nichts ändern. Für einen ordentlichen Studienbetrieb müssten ca. 1,7 % des BIP für Hochschulen aufgewendet werden. Werden die Unis aber mit ca. 1% abgespeist. Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben…

Österreichische Unis sind am A.

Na bitte. Immerhin sind wird nicht die Letzten. Wobei so mancher Student meint, die universitäre Ausbildung in Österreich sei durchaus das Letzte. Trotz überfüllter Hörsäle verlassen verhältnismäßig wenig Akademier die Uni Wien. Es ist bereits das zweite Ranking innerhalb kurzer Zeit, das den österreichischen Hochschulen ein Armutszeugnis ausstellt. Nach Gehrer (ja genau, das war die flötenspielende Handarbeitslehrerin) hat auch Hahn (der Philosoph mit der „unsauberen“ Diss.) versagt. Die Studie, vorgestellt im heutigen Ö1 Morgenjournal, zum nachhören: http://oe1.orf.at/konsole/otoninfo?id=98796

Published in: on 18. November, 2008 at 11:19  Schreibe einen Kommentar  
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